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14.06.2013
Wenn ein ganz normaler Schultag in einem Amoklauf endet

Die Schülerinnen und Schüler der 3. Real Klasse in Wilchingen führten im Rahmen ihrer Abschlussarbeit am vergangenen Mittwochmorgen und Donnerstagabend eine gemeinsame Theaterproduktion im Storchensaal auf. Das Stück „Gewitterneigung“, nach Peter Haus, wurde gemeinsam mit der Klassenlehrerin Marianne Leu als Mundartfassung neu getextet und zum Teil angepasst. Das gesehene hat die Zuschauer sehr beeindruckt.

sgh. An der Schülervorführung am Mittwochmorgen, hätte man währen des Schauspiels das Gras wachsen hören, hätte es denn solches im Storchensaal. Die Schülerinnen und Schüler der Orientierungsschule nahmen das Geschehen auf der Bühne mit Spannung und Betroffenheit  entgegen. Das Stück „Gewitterneigung“ ging wirklich nahe und regte zum Denken an. „Es ist ein Theaterstück ohne Anfang und ohne einen Schluss“, führte Marianne Leu die Zuschauer in das Stück ein. Die Geschichte über einen Amoklauf an einer Schule, spielte in Rückblenden vor der Tat und in Vorschauen nach der Tat, die, wie so oft auch in der Realität, an einem ganz normalen Tag, in einer ganz normalen Stadt, von einem Schüler aus einer ganz normalen Familie verübt wurde.
Was passierte, bevor es passierte? Marc V. aus S. wächst in einem gut bürgerlichen Elternhaus, zusammen mit seiner Schwester Vanessa auf. Schon früh fordert sein Vater mehr von ihm, als dass er vermag. Die kleine Schwester kann alles, ist eine hervorragende Schülerin und erntet das ganze Wohlwollen der Eltern. Ausgleich findet Marc V. bei seinem Onkel, einem begeisterten Sportschützen, den er ab und an auf den Schiessplatz begleiten darf. In der Schule bekleidet Marc V. klar die Rolle des Aussenseiters. „Pfosten“ und „Opfer“ wird er höhnisch von seinen Mitschülern genannt. Auf die verbalen Attacken folgen bald Tätlichkeiten, Marc V. wird immer wieder angegriffen, ausgelacht und zur Krönung wird das Geschehen von Mitschülern gefilmt und ins Internet gestellt.
Die Lehrer verhalten sich der Situation gegenüber entweder ignorant, oder tun das ihre noch dazu, damit Marc V. erst recht als Verlierer dasteht. Für Marc V. wird die Situation unerträglich, als auch noch Mitschülerin Giulia, die ihn eigentlich mag, will, dass er sich endlich wehrt, da sie sonst nicht mehr mit ihm zusammen sein will. „Opfer“ wird Marc V. genannt, der schliesslich mit einer Waffe seines Onkels in der Schule dem Allem ein Ende setzt. Die Frage, die wohl alle beschäftigte war, wer ist denn wirklich Opfer und wer Täter? Wann wird ein Opfer zum Täter und die Täter zu Opfern?
Auf der Bühne wurde nach einem „Schuldigen“ gesucht. War der Onkel fahrlässig im Umgang mit seinen Waffen? Er hatte sie mit einem Sicherheitsschloss verriegelt im Waffenschrank aufbewahrt – und doch war es eine seiner Waffen, mit der Marc V. den Amoklauf begann. Waren es die Eltern, die ihn immer wieder überforderten? Sie wollten doch nur das Beste für ihr Kind. Waren es die Lehrer, die den Ernst der Situation verkannt haben? Sie müssen doch nur unterrichten und den Lehrplan einhalten. Waren es die Mitschüler, die ihn attackiert und ausgeschlossen haben? Es war doch nur Spass… „Schuldig sind wir alle, aber haben wir dafür den Tod verdient?“ mit dieser Frage beschlossen die Schüler der 3. Realklasse ihr Stück, das bei den Schülern und Lehrern, die am Mittwochmorgen im Storchensaal als Zuschauer sassen, bestimmt nachhaltig in Erinnerung bleiben wird.