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15.12.2011
Ein Leben im Krieg, ganz neu erzählt

«Tuusig Johr. E Jugend im Schatte vom Zwäite Wältchrieg», so heisst das neuste Werk des Wilchinger Dichters und Schriftstellers Hans Ritzmann. Am Dienstagabend stellte er sein Buch der Öffentlichkeit vor.

 

Der Wilchinger Schriftsteller Hans Ritzmann durfte die Feder auch an der Buchvernissage nicht aus der Hand legen. Seine Unterschriften waren sehr begehrt.Bild Selwyn Hoffmann

 

von Nora Cetin


Wilchingen Die Buchpräsentation von Hans Ritzmanns erstem Prosawerk «Tuusig Johr. E Jugend im Schatte vom Zwäite Wältchrieg», geschrieben in Mundart und erschienen im Meier Buchverlag Schaffhausen, lockte rund 200 Personen nach Wilchingen. Der Saal im Restaurant Gemeindehaus war bis auf den letzten Platz besetzt, sodass die zuletzt Eintreffenden mit Stehplätzen vorliebnehmen mussten. Nach der Begrüssung durch den Gemeindepräsidenten Hansruedi Meier, der die Gelassenheit des Zurückblickenden Hans Ritzmann hervorhob, begann Alfred Richli mit der Laudatio.

Wahrhaftigkeit und Meisterschaft

Drei Qualitäten des Autors hob Richli besonders hervor, nämlich seine Wahrhaftigkeit, sein inneres Mass und seine sprachliche Meisterschaft. Im Folgenden erläuterte Richli diese Qualitäten, indem er auf Inhalte des Buches einging und daraus erzählte. «Die vier autobiografischen Geschichten des Autors Hans Ritzmann zeichnen ein lebensnahes, ein wahres Bild des Geschehens und Erlebens in jener schweren Zeit des Zweiten Weltkrieges», sagt Richli. Normalität habe es keine gegeben, aber das Leben sei weitergegangen. Die Bombardierung Schaffhausens habe der kleine Hans nur als Rauchfahne über dem Hügel wahrgenommen. Anderes war da viel präsenter, war Lebensrealität für den jungen Ritzmann. Etwa die Lebensmittelmarken, der häufige Lehrerwechsel, der Landdienst oder die sogenannten Rotkreuzkinder, die man aufs Land schickte, um sie wieder aufzupäppeln. Der Autor selbst sagte später am Abend, dass er sich oft gewundert habe, wie klar er sich an vieles erinnern könne. Die Reben und der Wein seien, auch wenn man über den Kriegsverlauf bestens informiert gewesen sei, weiter die lebensbestimmenden Elemente des Wilchinger Dorflebens gewesen. So stehe dann auch auf den ersten Seiten des Buches nicht nur, wann und wie der Autor das Licht der Welt erblickt habe, sondern auch, dass sein Geburtsjahr, 1933, ein schlechtes Jahr für die Rebbauern gewesen sei.

Frei von Vernebelungen

Eines, so Richli, werde im Buch ganz deutlich: Die Kindheit und Jugend Hans Ritzmanns war, trotz des allgegenwärtigen Krieges, eine schöne Zeit. Ritzmanns Geschichten könnten auch Basis sein für «ein von Scheuklappen freies Gespräch über jene Zeit, das noch geführt werden muss». «Die Sprache Hans Ritzmanns ist fast leidenschaftslos», sagte Richli. Das meine er durchaus im positiven Sinne. Durch die zurückhaltende Sprache werde ein fassbares, ein verständliches Bild der Vergangenheit gezeichnet - ganz ohne Vernebelungen, Vertuschungen oder Beschönigungen. Deutlich werde diese Qualität etwa bei der Stelle im Buch, an der Ritzmann vom einzigen Nationalsozialisten im Dorf erzählt. Gut erzählen können - das sei eben eine Wilchinger Gabe, sagt Alfred Richli. Eine ganz persönliche Gabe von Hans Ritzmann hingegen sei der original Wilchinger Regiolekt. «Kein Zweiter, so behaupte ich, beherrscht Wilchingerdeutsch wie Hans Ritzmann», sagt Richli. Und das obwohl Ritzmann sich in all seinen früheren Werken der deutschen Schriftsprache bedient habe. Zwischen den einzelnen Rednern spielte Andy Hedinger, der die Vernissage auf der Trompete, dem Cornet und dem Flügelhorn begleitete, Stücke aus der Nachkriegszeit. Zum Beispiel, auf besondern Wunsch von Hans Ritzmann, das Lied «I Did It My Way».

Die Signatur durfte nicht fehlen

«Ich hab sonst immer Gedichte geschrieben, also Essenzen von meinen Gedanken und Ideen. Geschichten zu schreiben, war neu für mich» - mit diesen Worten wandte sich schliesslich der Autor selbst ans Publikum. Bevor er sein Buch zur Hand nahm, um einige Abschnitte vorzulesen, bedankte er sich bei allen, die ihm während der Entstehung des Werkes zur Seite gestanden hatten. Hans Ritzmann sass an diesem Abend noch lange am Pult. Denn die meisten der Besucher wollten mindestens ein Exemplar der Klettgauer Literatur mit nach Hause nehmen. Die Signatur des Autors durfte da natürlich nicht fehlen, und so tat Ritzmann eben das, was er gut kann: schreiben.

Hans Ritzmann «Tuusig Johr. E Jugend im Schatte vom Zwäite Wältchrieg». Meier Buchverlag. Schaffhausen, 2011. 160 Seiten. 29 Franken