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11.09.2012
Waldbegehung 2012 - Rottanne mit Präzision gefällt

Im Forstrevier Südranden fand bei idealen Bedingungen die diesjährige Waldbegehung mit den Behördenvertretern von Wilchingen und Neunkirch statt. Die mechanisierte Holzernte und der Naturschutz bildeten Themenschwerpunkte.

von Hans-Caspar Ryser

Die Sonne hat den vorherbstlichen Nebel weggebrannt. Die herrlichen Mischwaldungen im Südranden, unweit des Rossberges, präsentieren sich, wenn auch noch nicht in herbstlichem Gold, so doch von ihrer schönsten Seite. So lässt das durchs Kronendach des Hochwaldes hereinbrechende Sonnenlicht die perlenden Wassertropfen an Tausenden von Spinnweben am Waldboden aufleuchten. Beatrice Steinemann, neue Forstreferentin von Wilchingen, der ebenfalls neue Kantonsförster Bruno Schmid sowie Förster Alois Ebi heissen die illustre Gästeschar der Behörden von Wilchingen und Neunkirch zur diesjährigen Waldbegehung willkommen.

Rückgassen für Feinerschliessung

Nach guter Holzermanier ging es anschliessend praktisch in der Vertikalen hangabwärts zum ersten Infoposten «Feinerschliessung». Wie Förster Ebi betonte, ist damit das feine Netz sogenannter Rückgassen, einer Art Waldschneisen, welche alle 20 Meter von der Waldstrasse, meist in einem 90-Grad-Winkel, in den zu durchforstenden Wald führen, gemeint. Bei der waldbodenschonenden, mechanischen Holznutzung seien diese Rückgassen überaus wertvoll. Ausschliesslich auf diesen Rückgassen würden die vollautomatischen Vollerntemaschinen zur Durchforstung oder die ebenfalls mit einem Kran automatisierten Forwarder oder Lademaschinen vorrücken. Links und rechts, in einem Arbeitsabstand von je zehn Meter, können dann die Forstarbeiten mittels eines Greifarmes oder Ladekrans voll automatisiert ausgeführt werden. Auf diese Weise lasse sich der dem Waldboden nicht zuträgliche Bodendruck auf ein Minimum beschränken.

Wunderwirkung der Traktionswinde

Voll mechanisiert zu und her ging es dann auch beim nächsten Posten. Bei der Walddurchforstung die Vollernter, beim Rücken oder Heraustransportieren der gefällten Baumstämme die Forwarder: Beide Maschinentypen gelangen über die Rückgassen dieses sehr steilen Hangwaldes zum Einsatz. Um Maschinen und Maschinenführer in diesen Steillagen vor Unfällen durch Abgleiten zu schützen, wurden sogenannte Traktionswinden entwickelt, welche die vertikal im Hang arbeitenden Maschinen über ein in seiner Länge automatisch verstellbares Drahtseil sichern. Und dies sowohl hangabwärts als auch hangaufwärts.

Die von Lehrling Fabrice Zürcher gefällte Rottanne fiel präzis neben den Markierungspfosten. Hinten Ausbildner Fredi Kronenberg (r.) und Mevludin Ibraimoski. Bilder H. C. Ryser

Die Meisterleistung des Lehrlings

Bäume von mehr als 70 Zentimeter Durchmesser werden nach wie vor von Hand gefällt. Der Forstwartlernende Fabrice Zürcher demonstrierte beim nächsten Posten das Fällen einer statt- lichen Rottanne. Vor der eigentlichen Fällarbeit gilt es, auf einer Schlagskizze nicht nur Fallrichtung und Fällart festzulegen, sondern auch die Koordinaten für den Rettungsdienst im Fall eines Unfalles und die sich nach der doppelten Länge des Baumes richtende Gefahrenzone zu vermerken. In ständigem Funkkontakt mit Ausbildner und Forstwart Fredi Kronenberg setzt Lehrling Zürcher das Sägeschwert an dem Baumstamm an. Anschliessend treibt er einen Keil in die Sägefläche, um die Fallrichtung des Baumes zu bestimmen. Mit lautem Krachen fällt die Fichte präzis zum mit einem orangen Pfosten markierten Fallort. Eine Meisterleitung, wie Ausbildner Kronenberg stolz bemerkte. Beim letzten Posten stellten Naturparkpräsident Hans Rudolf Meier und die Studentin Ursina Stoll das Inventar der Biotope «Bohnerzlöcher» als Teil des Naturparkprojektes vor.

Ein öffentlicher Waldrundgang mit demselben Programm findet am Samstag, 15. September statt. Besammlung ist um 13.30 Uhr bei der Wasenhütte im Südranden oberhalb von Neunkirch.