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02.08.2012
Die Legende von einer «teuren» Bölletünne

Eine Bölletünne gab den Ausschlag, dass der Rossberghof heute zu Wilchingen gehört und nicht zu Hallau.

von Alfred Wüger

Wilchingen Es kann fast nicht anders sein, als dass sich um die wohl bekannteste kulinarische Spezialität des Kantons Schaffhausen, die Bölletünne, auch eine Geschichte rankt. Reiner Gysel erzählt sie, während seine Frau Annemarie Gysel die fertige Bölletünne und die Schüssel mit dem Salat auf den Tisch stellt und die Flasche mit dem Blauburgunder in die Nähe bringt.

«E tüüri Bölletünne»

«Es war einmal», sagt der Bauer, «eine Versteigerung abzuhalten, und zwar auf dem Rossberghof oben, und die Gemeinden Wilchingen und Hallau hatten beide ein Interesse daran, das Gebiet zu kaufen.» Die Wilchinger seien auf den Rossberg gegangen, damit sie zur festgesetzten Zeit dort seien, und als die Delegation aus Hallau durch Wilchingen marschiert sei, sei eine Bauersfrau herausgekommen und habe gerufen: «Kommt doch rein, ich habe soeben eine frische Bölletünne aus dem Ofen genommen!» Und da hätten die Hallauer nach der Wilchinger Uhr gesehen und sich gesagt: «Wir haben ja noch genügend Zeit», und hätten sich zum Bölletünne-Essen niedergelassen, und die Bauersfrau sei schnell zum Mesmer gelaufen und habe diesen angewiesen, die Kirchenuhr eine Stunde zurückzustellen. Natürlich war es dann so, dass die Hallauer – was sie zur Bölletünne tranken, ob Rotwein oder Most, und wie viel davon, das wissen wir entweder nicht, oder wir verschweigen es – während des Mahls zur Kichenuhr blickten und sahen, dass sie noch viel Zeit hatten … Als sie dann schliesslich aufbrachen und den Weg hinauf zum Rossberg einschlugen, da seien ihnen plötzlich die quietschfidelen Wilchinger entgegengekommen. Da habe es den Hallauern sozusagen gedämmert. «Und die Wilchinger», sagt Reiner Gysel, «die sagten zu den Hallauern: ‹Ja, was? Wo kommt ihr denn her? Ihr wolltet doch auch den Rossberg ersteigern. Jetzt, wo ihr nicht da wart, haben halt wir ihn gekauft.›» Die Bölletünne kam die Hallauer also wahrhaft teuer zu stehen.