Gemeinde Wilchingen



News

09.11.2010
Editorial: Unsere Entwicklungsperspektiven im ländlichen Raum: Chancen und Risiken?

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Liebe Wilchingerinnen, liebe Wilchinger

 

Ein politisch ruhiges Jahr 2010 neigt sich langsam dem Ende zu und ich mache mir als Gemeindepräsident einmal mehr öffentlich Gedanken darüber, wie sich Wilchingen entwickeln kann und entwickeln soll. Ich hoffe, dass daraus ein konstruktiver Dialog zustande kommt. Ein lebendiges Gemeinwesen lebt nun eben einmal vom Austausch zwischen Bürger und Exekutive. Und zukunftsorientierte Lösungen lassen sich nur im Konsens nachhaltig verwirklichen. Mit dem Spatenstich am 19. Oktober 2010 durften wir Unterklettgauer gemeinsam mit dem Kanton Schaffhausen und der Deutschen Bahn AG den Grundstein für eine nachhaltige Verkehrserschliessung unserer Region legen. Damit haben wir aber erst „ein“ Etappenziel erreicht. Jetzt brauchen wir Entwicklungsziele und Antworten auf die vielfältigen Fragen: Wohin soll sich unser Unterklettgau und damit auch Wilchingen entwickeln? Heute leben hier ca. 7'000 Einwohner. Sollen es in 20 Jahren 14'000 oder vielleicht nur noch 4'000 Einwohner sein? Ist mit etwa 8'500 Einwohner, was einem jährlichen Zuwachs von 1% entspricht, ein nachhaltiges Wachstum möglich? Können wir unsere intakte Landschaft erhalten? Können wir sicherstellen, dass unsere Region nicht zum Atommüll Endlager verkommt? Wollen wir unseren „Wohlstand“ mit Geld aus dem Atomstromtopf „kurzfristig“ absichern? Welche Lebensformen werden im ländlichen Raum gefragt? Erkennen wir unsere Stärken und Schwächen und unsere Chancen und Risiken? Wollen die Gemeinden kommende Aufgaben eher regional oder allein erfüllen? Können wir Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden? Wir brauchen Antworten und Menschen die nach Antworten suchen wollen und die auch bereit sind an Lösungen mitzuarbeiten und sich dafür zu engagieren. Zurzeit prüft eine vom Gemeinderat eingesetzte Kopfgruppe „Leitbild“ in der Martina Gerber, Markus Gysel, Peter Gysel, Luc Schelker, Nik Schenk, Albert Trüllinger und Fritz Vögele unter meiner Leitung zusammenarbeiten, ob das aus dem Jahr 2000 stammende Leitbild der Gemeinde Wilchingen überarbeitet und den zukünftigen Herausforderungen angepasst werden soll. Das Wilchinger Leitbild besteht aus Zielen und Massnahmen in den Bereichen; Marktbearbeitung und Tourismus; Verkehr; Finanzen; Industrie / Gewerbe / Wirtschaft; Identität / Tradition / Kultur; Bildung; Versorgung; Natur / Umwelt; Verwaltung / Führung / Vorschriften und Freizeit / Sport. Es soll systematisch, regelmässig wiederholt, gemeinsam, auf breiter Basis abgestützt (Verwaltung, Politik, Unternehmungen, Einrichtungen, Vereine und Verbände und private Haushalte) überprüft und angepasst werden. In drei Arbeitsschritten: 1. Formulierung von anschaulichen und messbaren Zielen; 2. Entwicklung und Umsetzung von darauf ausgerichteten Massnahmen und 3. Überprüfung der Erfolge, soll falls die Kopfgruppe dies beantragt, das Leitbild überarbeitet werden. Als Gemeindepräsident habe ich natürlich meine eigenen Vorstellungen und Visionen, wie sich Wilchingen in Zukunft entwickeln könnte. Diese Ideen mit einer breiten Öffentlichkeit zu diskutieren, ist Sinn dieser Zeilen. Ich könnte mir beispielsweise vorstellen, dass nach der Realisierung der zurzeit „noch“ im Strassenrichtplan ausgewiesenen Ortskernumfahrung im verkehrsberuhigten Wilchinger Dorfkern, attraktives, nach innen orientiertes, modernes und urbanes Wohnen (durch innere Verdichtung) möglich sein kann. Durch die CO2 freie Energieversorgung (Wald und Sonne) ist der Wilchinger Ortskern heute schon besonders nachhaltig. Im verkehrsberuhigten Dorfkern liessen sich dann neue attraktive Wohnungen für umweltmüde Agglomerationsflüchtlinge realisieren. Ich bin davon überzeugt, dass zukünftig wieder vermehrt Familien mit Kindern aufs Land ziehen wollen. Dazu tragen zum Einen die in wenigen Jahren realisierte, optimale Erschliessung mit öffentlichem und individual Verkehr und die gute Vernetzung unserer Dörfer wesentliches bei und zum Anderen erwarten solche Zuzüger auf dem Land etwas mehr Ruhe und eine heile Welt. Selbstverständlich haben sie auch gehobene Ansprüche an eine gute Infrastruktur für Bildung, Sport und Kultur und sie sind an einem guten Schulsystem interessiert. Ob diese Infraktrukturen in jeder Gemeinde zur Verfügung stehen müssen oder ob die Gemeinden diese sinnvollerweise miteinander koordinieren oder gegebenenfalls sogar miteinander regional realisieren, ist eine Frage des Willens unserer Region. Solche Strukturveränderungen müssen wir miteinander frühzeitig erkennen und die raumplanerische Richtung rechtzeitig vorgeben. Ich hoffe, mit diesen Gedanken über unsere Zukunft, mithelfen zu können, dass unsere Gemeinde, und damit auch unsere Region Unterklettgau rechtzeitig die Weichen für eine gesicherte und nachhaltige Entwicklung stellen können.

 

Hans Rudolf Meier, Gemeindepräsident