Gemeinde Wilchingen



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03.10.2012
Ein Mosaik- und ein Meilenstein, der neue Bahnhof Wilchingen- Hallau

Geschichtliches und Zukunftsweisendes stand an der Einweihungsfeier des neuen Bahnhofes Wilchingen - Hallau im Zentrum. Die Festredner gaben ihrer Freude zum gelungenen Projekt aus verschiedenen Sichtwarten Ausdruck.
sgh. Mit Stolz wurde der Bahnhof Wilchingen - Hallau, nach 149 Jahren zum zweiten Mal eingeweiht.

 

Gemeindepräsident Hansruedi Meier aus Wilchingen reiste mit der Wilchinger Delegation im alten Postauto an. Die Geschichte des Bahnhofes sei lang und habe Höhen und Tiefen durchlebt, wie er in der Festansprache erwähnte. Beinahe habe die bahnfeindliche Stimmung unter den Bauern damals den Bahnbau durch den Klettgau verhindert, wie er aus Geschichtsbüchern wusste. „Schaffhausen wurde in der Schweiz am spätesten vom Eisenbahnfieber erfasst“, so Meier. Anlass zu Diskussionen gab damals die Linienführung, die es zu wählen galt. Während die Nord-Linie über Oberhallau und Hallau verlaufen wäre, entschied sich der Regierungsrat damals für die heutige Süd-Linie, via Neunkirch, Wilchingen, bis nach Trasadingen. Der damalige Regierungsrat legte mit einem Stichentscheid an der Sitzung des 23. Novembers 1859, den Verlauf der Linie fest. Dies hätten die Hallauer zuerst nicht akzeptiert und hätten ein Memorial an die National-, Stände- und Regierungsräte verfasst, ohne Erfolg, wie man heute weiss. Zu erwähnen ist natürlich, dass ein damaliger Regierungsrat, Zacharias Gysel, aus Wilchingen war. Die Wilchinger hätten aus Freude darüber, dass in ihrem Sinne entschieden wurde, ein Freudenfeuer bei der Kirche entzündet, das laut Überlieferungen, die Rebhütte von Regierungsrat Gysel in Brand gesteckt habe. „Da kann man nur hoffen, dass das Feuerwerk heute Abend nicht auch ein Haus in den Brand steckt“, bemerkte eine Zuhörerin leise. Gemeindepräsident Hansruedi Meier freute sich in seiner Ansprache darüber, dass heute die Zusammenarbeit mit Hallau so gut funktioniere, dass deren Gemeindeversammlung mit einem Mehrheitsentscheid beschlossen habe, sich an den Kosten für den neuen Bahnhof zu beteiligen und dies ohne, dass sie dazu verpflichtet gewesen wären.

Der Hallauer Gemeindepräsident Werner Pfistner, der mit einer Delegation aus dem Nachbardorf per Postkutsche zur Feier kann, gab der Freude über diese Geste ebenfalls in einem Dank an die Stimmberechtigten der Gemeinde Hallau Ausdruck. In seiner Ansprache verriet er scherzhaft, dass er nun endlich wisse, warum der Bahnhof Wilchingen - Hallau heisse und nicht Hallau - Wilchingen. Es werde daran liegen, dass der Gemeindepräsident von Wilchingen den vorgegebenen Zeitrahmen für die Ansprachen zwar auf fünf Minuten festlegte, aber diesen als einziger überschritt, das gehe wohl nur, weil Wilchingen vor dem Hallau stehe. Diese scherzhafte Einschätzung korrigierte Pfistner und klärte auf, dass die Namensgebung zum einen auf einen durch Staatsschreiber Dr. Wanner im Jahre 1863 gefällten Entscheid zurückzuführen sei, zum anderen sei es ja so, dass der Bahnhof auf Wilchinger Boden läge. „Hallaus Anbindung an die „grosse“ Welt ist mit diesem neuen Knotenpunkt besser geworden“, so die positive Einschätzung des Gemeindepräsidenten.

„Wir feiern mit dieser Einweihung einen Mosaik- und einen Meilenstein“, so Baudirektor Reto Dubach, der mit dem historischen Dampfzug aus Schaffhausen in den Klettgau reiste. Ein Mosaikstein im grossen Konzept, mit dem Doppelspurausbau und der Elektrifizierung der Bahnlinie und der S- Bahn, wo noch viel getan werden muss, sei hier fertig geworden. Als Meilenstein könne man die Fertigstellung des Bahnhofes im unteren Klettgau sehen, so sei nun eine bessere Anbindung an die grossen Städte mit diesem Knotenpunkt sichergestellt. Dies dürfte auch der Wirtschaft und dem Tourismus bei einer guten Entwicklung hilfreich sein. Gerade im Bereich des Tourismus ermutigte Regierungsrat Dubach die Anwesenden weiterzumachen, trotz des Rückschlages, den Hallau mit dem Weinhotel zu verzeichnen hatte.

„Die Barrieren sind weg und das neue Dach bewährt sich bereits zum ersten Mal“, Jürgen Lange von der Deutschen Bahn AG, blickte aus der Sicht der DB zurück. „Die Strecke wurde für den Güterverkehr gebaut, heute werden leider nur noch Zuckerrüben transportiert“, gab er weiter. Bald sei auch der Personenverkehr dazugekommen und so wurde der Bahnhof zum Ort der Emotionen. „Hier begrüsst man diejenigen, die ankommen und verabschiedet sich von denen die weggehen.“ Er wünschte sich eine rege Nutzung des neuen Bahnhofes und für die Menschen, die sich hier treffen schöne Emotionen.

Tilman Bollacher, Landrat des Landkreises Waldshut, gab zu, beim Thema öffentlicher Verkehr neidisch auf die Schweiz zu schauen. Für ihn sei die ländliche Erschliessung hier beispielhaft. „Obwohl sich immer Verzögerungen ergeben, sind wir optimistisch, die Elektrifizierung der Strecke nach Basel zu schaffen“, gab der Landrat weiter. Dabei zeigte er sich darüber erfreut, dass die Kantone Schaffhausen und Basel starke Verbündete seien beim Kampf um die Gelder, die dafür benötigt werden.

Das Angebot am Bahnhof Wilchingen- Hallau ist nach dem Umbau attraktiv erweitert worden. Neu können hier E- Bikes gemietet werden und mit dem Mobility Car Sharing kann auch bequem mit dem Auto weitergereist werden. Die Einbindung des Agrotourismus spielt ebenfalls eine grosse Rolle. Die Wanderungen, die von der Genussregion Wilchingen - Osterfingen - Trasadingen angeboten werden starten hier und der Busknotenpunkt bringt Reisende weiter in die umliegenden Ortschaften.

Impressionen der Dampfloksonderfahrten