Gemeinde Wilchingen



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09.10.2012
"S'isch niene so schöö wie z'Osterfinge"

Auf dem Dorfplatz von Osterfingen wurde am 2. Oktober die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes vor 1100 Jahren gefeiert. Eine schlichte, schöne Feier, an der die Bewohner und Freunde des Ortes teilnahmen und dabei Geschichten und Klängen aus alten Zeiten lauschen durften.


sgh. In einem Urkundentext über einen Gütertausch aus dem Jahre 912 des Adeligen von Haslach mit dem Kloster Rheinau wird die Siedlung "Ostrolv" erstmals erwähnt. Staatsarchivar Roland E. Hofer gab dabei allerdings zu bedenken, dass die Urkunde eine Abschrift sei und somit vom Original, das nicht im Staatsarchiv lagere, abweichen könnte. So lange aber das Gegenteil nicht bewiesen sei, dürfe die Ersterwähnung Osterfingens vor 1100 Jahren gefeiert werden.
Dies taten die Osterfinger in einer kleinen, schmucken Feier auf dem Dorfplatz. Musikalisch wurde der Anlass von einer Gauklermusik aus Stein am Rhein begleitet, die in mittelalterlichen Kostümen auftrat.
Beim Datum seien fünf Tage im Oktober möglich, so Roland E. Hofer, von denen die Osterfinger das erstmögliche, den 2. Oktober, gewählt haben um die Feier abzuhalten. Der Name "Ostrolv" lasse auf eine Siedlung von Germanen schliessen, es sei aber unbestritten, dass schon zur Zeit des Römerreiches auf dem Gebiet Osterfingen Menschen gelebt hätten. Das zeigten die Funde eines römischen Bades beim heutigen Bad Osterfingen. Im Mittelalter sei die Siedlung im Besitz des Klosters Rheinau gewesen. Es seien aber auch Grundbesitzer aus der Stadt Schaffhausen, Stadtherren und adlige Familien aus Schaffhausen und das Kloster zu Allerheiligen erwähnt. Die Landeshoheit war im Falle von Osterfingen nicht ganz einfach. So hätte der Kanton Zürich, der so Hofer, gerne auch über den Rhein gefressen habe, mit Schaffhausen um diese gebuhlt. Im Jahre 1577 konnte, dank gutem Verhandlungsgeschick und der festen Beharrlichkeit Schaffhausens, das mächtigere Zürich ausgestochen werden. Ab da wurde Osterfingen vom Landvogt aus Neunkirch verwaltet.
Es sei dem Landvogt nicht möglich gewesen, alle Bürger zu kontrollieren. Gerade, wenn die Dorfbevölkerung zusammengehalten habe, seien Untaten kaum nachzuweisen gewesen. Es habe einfach keiner etwas gesehen oder gehört. Dennoch sei das Bussenverzeichnis aus dieser Zeit ein paar Meter lang, so der Staatsarchivar. So wurde beispielsweise der Schneider Hans Jakob Klingenfuss mit sechs Hellern gebüsst, weil er dem Schulmeister aus Wilchingen Ehebruch vorgeworfen habe, dies vor dem Vogt aber nicht beweisen konnte.
Der lange Arm der Obrigkeit war zu dieser Zeit der Pfarrer. Osterfingen hatte aber weder eine Kirche noch einen eigenen Pfarrer und dürfte so etwas mehr Freiheiten genossen haben als andere Dorfgemeinschaften. Erst im Jahr 1816 wurde eine eigene Pfarrei im Dorf gegründet. Es folgten schwere Zeiten für das Dorf am "Himmelriich". Viele Familien wanderten nach Brasilien aus, um dort ein neues Leben zu beginnen, weil im Dorf kein Brot mehr zu verdienen war.
Heute sei Osterfingen ein Ort, an dem Wirtschaft und Oenologie in einer fast beispiellosen Dichte zusammen sei. Bekannt durch die Trotte und das "Bad Osterfingen" - aber auch wegen des ausgezeichneten Weines sei Osterfingen auch mit seinen schmucken Bauerngärten einen Ausflug wert, so Roland E. Hofer.
Seit 2005 gehört Osterfingen zur Gemeinde Wilchingen. „Auch wenn Osterfingen keine politische Gemeinde mehr ist, fehlt es nicht an einem regen und ideenreichen Dorfleben“, stellte Rägi Stoll, eine ehemalige Gemeinderätin fest. Selber sei sie aus dem Glarnerland hier hergekommen, weil sie ein Osterfinger Urgestein geheiratet habe und habe das Dorf immer lieber gewonnen. Sie lud die Gäste der kleinen Feier ein, mit einem Glas frischen Sauser auf Vergangenes, Heutiges und Zukünftiges anzustossen. Ein Projektchor von Osterfingern liess den Abend mit Liedern von Otto Uehlinger ausklingen, wobei „s Lärchli“ natürlich nicht fehlen durfte, denn wie im Lied besungen „…s isch niene so schöö wie z Osterfinge…“.