Gemeinde Wilchingen



News

10.06.2013
„Gedanken müssen gepflegt und ab und zu gewendet werden“

In diesem Jahr ist das Hoftheater in der ganzen Deutschschweiz mit der Produktion „Rosa grast am Pannenstreifen“ auf Tournee. Die einzige Aufführung im Kanton Schaffhausen fand im Lindenhof in Osterfingen statt, zu der erfreulich viele kulturfreudige Gäste den Weg gefunden haben.

 

sgh. Bereits vor dem Theaterstück wurden die Gäste, die anlässlich des Hoftheaters in den Lindenhof nach Osterfingen gekommen waren, kulturell verwöhnt - mit Ess- und Trinkkultur in bekannt Lindenhof – fantastischer Art. Beim exquisiten Salatbuffet blieben keine Wünsche offen, die „gschwellten“ Frühkartoffeln und der feine Braten aus der hofeigenen Küche mundeten vorzüglich. Dazu genoss man gerne einen der feinen Weiss- oder Rotweine aus der Lindenhofkellerei. Der Anlass zeigte, wie nahe Freude und Leid zusammenliegen können. So fröhlich der Anlass auch war, gedachte man auch dem kurz vorher verstorbenen Jakob Richli, der hier auf dem Hof aufgewachsen und zeitlebens gearbeitet hatte. Er hatte aus dem Lindenhof eine Weinkellerei gemacht und wird so auch unvergessen immer Teil der Erfolgsgeschichte des Weingutes bleiben. Vino Stoll betonte bei der Begrüssung der Gäste, dass unter diesen Umständen über eine Absage des Anlasses nachgedacht wurde, das Lindenhofteam sich aber für die Durchführung entschieden hatte, denn dies wäre, so Vino Stoll, auch in Jakobs Sinne gewesen, der solche schönen Anlässe immer sehr genoss.

Rosa grast am Pannenstreifen
„Gedanken müssen nur gut gelagert und ab und zu gewendet werden, halt wie beim Käse, bis sie reif sind.“ Mit diesem Credo lebt Koni Amstutz auf seinem Bauernhof und findet immer wieder Neues, das in sein Werk „Das Weltgesetz“ eingefügt wird. Mit Paragraphen wie „Energie“, „Lohn“ oder  „Wasser“, das seiner Meinung nach doch allen gehört, wie die Luft, von der man auch nicht einen Quadratmeter kaufen könne, ist seine neue Weltordnung gefüllt. Um dieses Buch zu veröffentlichen, hat Koni Amstutz kurzerhand all sein Vieh und seine Ländereien veräussert um an das benötigte Geld zu kommen. Nur Kuh Rosa und Hund Barry hat er bei sich behalten. Der Tag des Koni Amstutz ist gefüllt mit absurden Gedanken, die er eben gut lagert und ab und zu wendet, bis er weiss, was damit zu tun ist. „Wieviel Luftwiederstand ist eigentlich nötig um das Bewusstsein zu verlieren?“ oder „muss man studiert haben, um die Welt zu erklären?“ mit solchen und anderen Fragen des Lebens beschäftigt sich der kuriose Junggeselle, der aber davon überzeugt ist, dass er das gleiche Gehirn im Kopf habe wie der Papst und der Präsident der USA.

Während des Theaterspiels, dass fast zwei Stunden von Hans Peter Incondi alleine vorgetragen wurde, fragte man sich, ist Koni Amstutz ein Schwermütiger, ein Träumer oder einfach nur ein Spinner? Ein verkanntes Genie, verrückt oder eben doch genial? Die schauspielerische Leistung von Incondi jedenfalls war ausserordentlich grossartig. Das Stück wurde zu einem grossen Teil mit der Mimik erzählt und man war gespannt auf das, was als nächstes kommt: flippt er aus und springt auf dem Bett herum? sitz er einfach nur da und hängt einem Gedanken nach – oder wendet er ihn gerade? Jedenfalls wusste man nie was kommt, die Gefühlsausbrüche reichten von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. „Alles hat einen Anfang und alles hat ein Ende“, so beschloss Koni Amstutz mit einem Gedicht das Spiel – und Rosa graste tatsächlich am Pannenstreifen. Aus einer eingespielten Radiomeldung war zu entnehmen, dass auf der Autobahn Richtung Bern ein offenbar geistig verwirrter Mann mit einer Kuh, einem Hund und einem Leiterwagen voller Bücher unterwegs sei…irgendwie muss das Weltgesetz ja ins Bundeshaus gelangen.„Das war sehr schwere Kost“, bemerkte eine Besucherin, eine andere bemängelte, dass es zu wenig zu lachen gab. War es eine Satire? Komödie? Tragödie? - man weiss es nicht sicher. Die Inszenierung war jedenfalls ausserordentlich gekonnt und trotz - oder gerade wegen einer gewissen Skurrilität der Hauptfigur, kam der Gedanke auf, dass es sich um eine Biographie handeln könnte. Findet man sie nicht überall, die Weltverbesserer, die wüssten, welche Gesetze, wie angepasst werden müssten, dass… Auch diesen Gedanken kann man lagern und vielleicht ab und zu wenden, wie beim Käse, bis er reif ist.