Gemeinde Wilchingen



News

15.01.2014
Zhelag nyebo chötonang! – Viel Freude und guten Appetit!

In Osterfingen leben seit einiger Zeit fünf asylsuchende Tibeterinnen. Noch in dieser Woche werden zwei weitere Frauen aus dem unterdrückten Land im Himalaya dazukommen. Um sich und ihre Heimat vorzustellen, gaben die fünf Frauen ein Kennenlern- Fest in der Turnhalle Osterfingen, das auf guten Anklang stiess!

sgh. Exotisch duftete es nach Koriander und Ingwer, beim Eintreten in die Mehrzweckhalle in Osterfingen am vergangenen Samstagabend. Zhelag nyebo chötonang! – Viel Freude und guten Appetit! - das wünschten die Gastgeberinnen den vielen Besuchern, die der Einladung gefolgt sind.

Seit einiger Zeit ist die Wohnung für Asylsuchende in Osterfingen wieder bewohnt, von fünf Frauen aus Tibet. Diese fünf Frauen luden die Bevölkerung ein, sie näher kennenzulernen und kochten zu diesem Anlass für Alle Gerichte aus ihrer Heimat, aus der sie geflüchtet sind. Bödscha, ein sogenannter Buttertee durfte probiert werden. Für uns ist dieses Getränk eher ungewohnt im Geschmack, es schmeckte irgendwie salzig, milchig – interessant auf jeden Fall. Auf grosses Lob stiessen hingegen die Momos. Die köstlichen gedämpften Teigtaschen, die mit Gemüse oder Rindfleisch gefüllt wurden, durften entweder gebraten, oder in einer Maissuppe, Kwa, genossen werden. Mmhhh…so tönte es da und dort, dazu reichten die Frauen eine scharfe Sauce, für die, die es ganz rassig mochten. Auch eine Süssspeise wurde von den Frauen zubereitet für die vielen Besucher des Abends. Kabse, so nennen es die Tibeter, ist so etwas wie „Fasnachtschüechli“, sehr fein.

 

Die fünf Frauen aus Tibet kochten nicht nur für die Gästeschar, sie zeigten auch einen traditionellen Tanz und sangen Lieder aus ihrer Heimat. Dies taten sie in traditionellen, bunten  Festgewändern, die man vielleicht schon in Filmen über Tibet gesehen hat. 

 

Asylsuchende aus Tibet? Diese Frage beschäftigten offenbar einige, wie Betreuerin Katerina Bülow, die seit zwei Jahren in Osterfingen wohnt, erzählte. Seit der Invasion durch China, werden die Tibeter unterdrückt und Tibet ist kein freies Land mehr. Die chinesische Regierung hindert die Tibeter daran, ihre Sprache und Kultur zu leben und an die nächsten Generationen weiterzugeben. Um das Ziel, die Tibeter auszurotten, durchzusetzen, bedient sich die Besatzungsmacht China gewaltvoller Mittel, wie Völkermord und Zwangssterilisationen bei Frauen. Die fünf Frauen, die in Osterfingen nun in Sicherheit leben, sind vor diesem gewaltvollen, unmenschlichen Vorgehen geflüchtet. Zwei weitere Frauen werden in den nächsten Tagen folgen, ebenfalls Tibeterinnen, eine davon wird in vier Monaten ein Kind zur Welt bringen. Die asylsuchenden Frauen haben keinerlei Kontakt zu ihren Familien, wie Katerina Bülow erklärte, viel zu gross sei die Gefahr für die Daheimgebliebenen, wenn sie kontaktiert würden. Katerina Bülow betreut die Frauen in Osterfingen und hilft ihnen, sich einzuleben, was nicht immer ganz einfach ist, denn sie können die deutsche Sprache noch gar nicht. Mit Respekt, Toleranz und viel gutem Willen, ist es aber bestimmt möglich, zusammen mit diesen, bald sieben Frauen, einen guten Kontakt zu pflegen, auch wenn man sich beim sprechen vielleicht auch der Hände und Arme bedienen muss, bis sie unsere Sprache besser verstehen und sprechen können. Erfreulich war das grosse Interesse der Bevölkerung von Osterfingen und Wilchingen, dieser Einladung zu folgen, es mussten noch zusätzliche Tische und Stühle aufgestellt werden, damit alle ein Plätzchen fanden und in der Küche herrschte Hochbetrieb, dass alle satt wurden. Es war auf jeden Fall für alle Beteiligten ein schöner, lehrreicher und kulinarisch wertvoller Abend.